Ing. Friedrich Bauer wird Obmann der Fachgruppe Ingenieurbüros WKNÖ

Ing. Friedrich BauerDer Wechsel an der Spitze der Fachgruppe Ingenieurbüros spiegelt die Dynamik der Branche wider: Der langjährige Obmannstv. Ing. Bauer kann in seiner neuen Funktion auf erfolgreiche Initiativen des scheidenden Obmanns Krumböck aufbauen.

Das rasche Anwachsen der Fachgruppe Ingenieurbüros in den letzten Jahren auf mittlerweile nahezu 900 Mitglieder spiegelt die Anforderung von Wirtschaft und öffentlicher Hand nach kompetenter Planung, Beratung und Projektbetreuung in technischen Bereichen wider. Ing. Mag. Friedrich Krumböck, der auf 20 Jahren an der Spitze der Fachgruppe zurückblicken kann, war immer bewusst: „Der Bedarf an unserer Expertise wächst. Doch potentielle Auftraggeber, von Unternehmen über Kommunen bis hin zu Auftraggebern auf Bundesebene, können von den umfassenden Leistungen unserer Mitglieder erst profitieren, wenn deren Kompetenzen transparent sind.“ Mit dem ersten Branchenbuch schufen er und sein Team erstmals ein umfassendes Verzeichnis aller Anbieter in Niederösterreich und brachte es in handlichem Format auf die Schreibtische von Entscheidungsträgern in Österreich.
Chancen am Wachstumsmarkt Energieautarkie nutzen
Mit steigenden Energiepreisen und dem wachsenden Anspruch der Privatwirtschaft und öffentlicher Hand, nachhaltig zu wirtschaften, steigt auch die Nachfrage nach kompetenter Beratung. Auf Initiative von Obmann Krumböck bietet die Fachgruppe seit 2009 einen Lehrgang zum Energieautarkie Coach. Ziel ist es, dass qualifizierte Ingenieurbüros als neutrale Experten die Umsetzung dieser Technologien am Markt realisieren und multiplizieren. Ingenieurbüros, die diese umfassende Spezialausbildung absolviert haben, können künftig für Unternehmen, für öffentliche und selbst für private Haushalte oder Bauträger einen so genannten Energiekompass erstellen. Dieser zeigt nach eingehender Analyse die optimale Kombination an Maßnahmen auf. Diese schließen sowohl Einsparungen als auch die Nutzung regenerativer Energieträger ein, von Wind, Sonne, Wasser oder Geothermie bis hin zur Biomasse. Damit eröffnete die Fachgruppe unter der Führung des scheidenden Obmanns Ing. Mag. Friedrich Krumböck neue Chancen für Ingenieurbüros, auf diesem rasch wachsenden Markt zu profitieren. Krumböck, der mit 1. November 2009 von Ing. Friedrich Bauer als Obmann der Fachgruppe Ingenieurbüros abgelöst wird, zur Zukunft der Fachgruppe: „Das Potential dieser innovativen Märkte ist groß, nicht nur in Österreich, sondern über unsere Grenzen hinaus. Diese Möglichkeiten, gilt es auch in den kommenden Jahren zu entwickeln.“
Interview mit Obmann Ing. Friedrich Bauer
Mit 1. November 2009 übernimmt Ing. Friedrich Bauer die Führung der Fachgruppe Ingenieurbüros. Bauer, selbst Maschinen-bauingenieur und seit mehr als 30 Jahren unternehmerisch tätig, engagiert sich seit mehr als 20 Jahren in der Fachgruppe für die Belange der Branche. Im Interview gibt er Einblick in Pläne und Visionen für die kommenden Monate und Jahre.

Redaktion:
Herr Ing. Bauer, Sie übernehmen eine wachsende Fachgruppe. Worin sehen Sie die Herausforderungen für die nächste Zeit?
Ing. Bauer: Die Mitglieder erwarten von uns konkrete Unterstützung am Markt. Vorrangig sehe ich die Aufgabe im Aufbau von Image und Bekanntheit der Ingenieurbüros und ihrer Leistungen. In naher Zukunft sollte jeder, ob Privatperson oder Entscheidungsträger, nicht nur wissen, was ein Ingenieurbüro ist, sondern vor allem, mit welch umfassenden Aufgaben- und Fragestellungen man sich an deren Experten/-innen wenden kann. Unser Beruf setzt ein hohes Maß an Ausbildung und Kom-petenz voraus. Diese Spitzenleistungen müssen wir am Markt positionieren: erst in Niederösterreich und in der Region. Von hier aus können wir die Märkte in den Nachbarländern und in der EU bearbeiten und uns weltweit positionieren – Schritt für Schritt. Das Branchenbuch war ein wichtiger Meilenstein, um das immense Leistungsspektrum der Ingenieurbüros darzustellen. Nun gilt es, diese Informationen auch über unsere Grenzen hinaus bekannt zu machen. Erste Kontakte auf EU-Ebene konnten wir bereits herstellen.

Redaktion:
Sind die Märkte außerhalb unserer Grenzen tatsächlich für das Gros der niederösterreichischen Ingenieurbüros relevant?
Ing. Bauer: Niederösterreichs Ingenieurbüros gehören wahrscheinlich zu den im Ausland aktivsten Unternehmern. Sie werden als Experten/-innen nicht nur in unseren Nachbarländern geschätzt, sondern sind - von China über Saudi-Arabien, Kuwait oder Abu Dhabi bis in die USA - weltweit tätig. Die hohe Kompetenz unserer Mitglieder, tolle Referenzen und die Aktivitäten zur Internationalisierung seitens der Fachgruppe haben dazu beigetragen. Von der Wirtschaft und der Politik wird der Beitrag der Ingenieurbüros zum Export heimischer Betriebe hingegen immer noch unterschätzt. Bedenken Sie: mit 1 Million Projektvolumen eröffnet ein österreichisches Ingenieurbüro Exportchancen im Ausmaß von etwa 25 Millionen für unsere Wirtschaft. Damit sind wir einer der größten Multiplikatoren. Dabei liegt das Risiko für große oder internationale Projekte ausschließlich beim Unternehmer, was für die vielen EPUs und Kleinunternehmen alleine nicht tragbar ist. Darauf müssen wir den Blick der Politik lenken.

Redaktion: Was fordern Sie von politischer Seite?
Ing. Bauer: Natürlich geht es nicht nur um die Anerkennung der Berufsgruppen, sondern um konkrete Maßnahmen. Während der Produktionssektor angesichts der Krisen massiv unterstützt wird, wurde die Projektentwicklungsförderung des Landes Niederösterreich nach nur einem Jahr wieder gestrichen. Auf Grund der langen Vorlaufzeiten zur Marktaufbereitung und der Projektanlaufzeiten in unserem Geschäft konnte sie noch gar nicht wirklich wirksam werden. Wir brauchen solche För-derungen und Ausfallhaftungen zur Abfederung des Risikos.

Redaktion: Wo sehen Sie die größten Chancen für Ingenieurbüros in den kommenden Jahren?
Ing. Bauer: Der Bereich Energieautarkie hat sich zu einem breiten Feld für technische Planungs- und Beratungsleistungen entwickelt. Unsere Experten und Expertinnen zeigen auf, dass es keineswegs um Einschränkung geht, sondern darum, die Energie baulich und logistisch richtig zu nutzen. Unser Lehrgang, die Spezialausbildung zum Energieautarkie-Coach, ist ein optimaler Grundstein. Das erst jüngst entwickelte Weißbuch „Energieautarkie“ kam dabei erstmals zum Einsatz und hat sich dabei als Basiswerk für die Branche bewährt. Schon im Januar werden die ersten 30 Absolventen ihre Prüfungen, die Diplomarbeit und das Hearing absolviert haben. Das ist eine solide Grundlage, den Wachstumsmarkt Energieautarkie und der regenerativen Energien seriös zu bearbeiten. Wenn die heimische Politik es mit der Wirtschaftsförderung ernst meinen, dann sind derartige Weiterbildungsinitiativen ein Ansatzpunkt.

Redaktion: Wie sollte eine solche Förderung aussehen?
Ing. Bauer: Unsere Branche und angewendeten Technologien entwickeln sich rasant. Seriöse Weiterbildung ist da selten in kurzer Zeit abzuhandeln. Spezialausbildungen, wie zum Beispiel multikulturelles Management sind notwendig um am Markt bestehen zu können. Unsere Mitglieder sind bereit, für solche Investitionen in die eigene Tasche zu greifen, mitunter sogar Kredite aufzunehmen. Hier ist die Politik gefordert solche Investitionen zu unterstützen und zinslose Kredite zur Verfügung zu stellen, dieses Modell wäre generell eine Möglichkeit berufsbegleitende Weiterbildungsmaßnahmen anzukurbeln Weiters müsste man, für den Fall unvorhergesehener Unterbrechungen, sei es durch Unfall oder Krankheit, vor allem den EPUs und Kleinunternehmen mit Haftungsübernahmen unter die Arme greifen.

Redaktion: Macht sich diese Form der Weiterbildung bezahlt?
Ing. Bauer: Nicht nur in Österreich eröffnen sich Experten/-innen auf diese Weise neue Geschäftsfelder. Der Bereich „Regenerative Energieträger“ ist ein gutes Beispiel. Experten und Expertinnen aus Österreich gelten international als Vorreiter. Erst vor einigen Wochen konnte ich eine Delegation aus der Ukraine begrüßen. Hochrangige Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Bildung überzeugten sich vor Ort vom Know-how und der Technologie niederösterreichischer Unternehmen im Bereich Energieoptimierung und besichtigten dazu verschiedenste Anlagen und Unternehmen. Auf diese Weise wollen wir die Exportchancen österreichischer Umwelttechnologien erhöhen und das gute Image in wirtschaftlichen Erfolg umsetzen. In Zukunft unterstützt uns ACT (Austrian Clean Technology dem österreichischen Kompetenzzentrum für Umwelt- und Energie-technologie) ei der Verwirklichung solcher Projekte. Weiterbildung ist ein Schlüsselfaktor bei allen Aktivitäten. Neben der fachlichen Weiterbildung möchte ich künftig auch Schwerpunkte bei der Förderung des multikulturellen Verständnisses und der Sprachkenntnisse setzen. Eine Initiative mit der Donau-Universität ist ein erster, ausbaufähiger Schritt.

Redaktion: Wie können auch kleine Ingenieurbüros diese Initiativen in Geschäft umsetzen?
Ing. Bauer: Der entscheidende Erfolgfaktor heißt Kooperation. Große und komplexe Projekte sind nur in Kompetenz-Pools und Projektpartnerschaften zu bewältigen. In der Branche mangelt es aber noch oft an Vertrauen in Kooperationen. Er-fahrungen anderen zur Verfügung zu stellen, darf nicht länger als Verlust von Wettbewerbsvorteilen gesehen werden. Statt dessen ist es in den meisten Fällen der Start für neue Geschäftschancen und Voraussetzung für eine Win-Win-Situation in einer Kooperation. Diese Hürden wollen wir abbauen helfen. Denn: in unserer Dienstleistungsgesellschaft ist Arbeit in Netzwerken das Gebot der Stunde.
 
Fachgruppe Ingenieurbüros, Wirtschaftskammer Niederöster-reich
ing.bueros@wknoe.at
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